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Zur Geschichte des Instituts für Geotechnik der Leibniz Universität Hannover

Das Institut für Geotechnik der Leibniz Universität Hannover kann auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken, während der zahlreiche noch heute gültigen Beiträge in der Geotechnik entstanden sind. Herr Prof. Blümel, der bis 2009 aktiv am IGtH wirkte und die experimentelle Ausrichtung in Lehre und Forschung prägte, hat nachfolgende Zusammenstellung dieser Historie dankenswerterweise zusammengestellt.

Die ersten Jahre - Prof. O. Franzius

In der im 19. Jahrhundert eingerichteten Technischen Hochschule Hannover (THH) war das Fachgebiet Gründungen dem Lehrstuhl für Wasserbau zugeordnet. Im Jahre 1916 gründete der damalige Lehrstuhlinhaber Professor Hans Ludwig Otto Franzius (*1877-1936) die Versuchsanstalt für Grund- und Wasserbau, die als Keimzelle des Instituts für Geotechnik einzustufen ist. Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden in der Versuchsanstalt wasserbauliche Modellversuche und Grundbauversuche durchgeführt, unter anderem richtungsweisende großmaßstäbliche Experimente zum Erddruck in einem Versuchsapparat mit beweglicher Wand, deren Ergebnisse im Jahre 1924 in der Zeitschrift „Der Bauingenieur“ veröffentlicht wurden. Zu Ehren ihres Gründers erhielt die Versuchsanstalt 1936 den Namenszusatz Franzius-Institut.

Prof. A. Streck - Ausbau bodenmechanischer und grundbautechnischer Experimente

Mit der maßgeblich von Professor Karl von Terzaghi (*1883-1963) an der TH Wien und international beförderten Entwicklung der Bodenmechanik als eigenständiger wissenschaftlicher Disziplin wurde Alfred Heinrich Streck (*1896-1972), ein Mitarbeiter von Professor Franzius, 1932 als Privatdozent für dieses Gebiet an der THH ernannt. Schwerpunkte seiner experimentellen und theoretischen Arbeit waren Fragen zur Ermittlung des Erddrucks und Erdwiderstands bei Wänden, Ankerplatten und Pfählen sowie die Entwicklung praxisgerechter Versuchseinrichtungen zur Bestimmung bodenmechanischer Kennwerte für Gründungsberechnungen. In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg leitete Streck vertretungsweise das Franzius-Institut bis 1949 der Wasserbauingenieur Professor Walter Hensen (*1901-1973) zum Lehrstuhlinhaber und Institutsdirektor berufen wurde. 1954 wurde für Streck das Lehrgebiet für Bodenmechanik, Wehr- und Talsperrenbau und Wasserkraftanlagen eingerichtet. Bodenmechanische und grundbautechnische Experimente wurden weiterhin im Franzius-Institut und in einer Holzbaracke neben der Wasserbauhalle am Schneiderberg in Hannover durchgeführt.

Prof. E. Lackner - Institut für Grundbau, Bodenmechanik und Energiewasserbau

Mit der Berufung des bereits zuvor mit seinem großen Ingenieurbüro weltweit im Grund- und Hafenbau tätigen Österreichers Professor Erich Lackner (*1913-1992) im Jahre 1964 an die Technische Hochschule Hannover wurde diesem das Fachgebiet Grundbau in Lehre und Forschung übertragen. Sein Lehrstuhl erhielt die Bezeichnung Grundbau, Bodenmechanik und Energiewasserbau. Das noch kurz vor Ende der Dienstzeit von Streck 1961 geschaffene Institut für Bodenmechanik wurde als Hochschuleinrichtung unter Lackners Leitung etabliert, und es wurden dafür zunächst Laborräume in der Striehlstraße in Hannover angemietet. Dem Franzius-Institut wurde der Lehrstuhl für Verkehrswasserbau zugeordnet. Nach dem Ausscheiden von Professor Hensen wurden im Jahre 1972 die Institutsbezeichnungen entsprechend den tatsächlichen Forschungsaktivitäten angepasst, und zwar nunmehr einerseits in Franzius-Institut für Wasserbau und Küsteningenieurwesen der Technischen Universität Hannover und andererseits in Institut für Grundbau und Bodenmechanik. Einige Jahre später wurde auch der Energiewasserbau in der Institutsbezeichnung verankert und das Signum IGBE eingeführt.

Entsprechend der praxisnahen Ausrichtung unter Professor Lackner entwickelte sich das IGBE rasch zu einer gerätetechnisch modernen und experimentell leistungsstarken Institution - ab 1974 auf dem Hochschulgelände an der Appelstraße - mit stetig wachsender Mitarbeiterzahl. Umfangreiche bodenmechanische Untersuchungsaufträge der Bauindustrie und der Baubehörden für komplexe Grundbauprojekte im In- und Ausland wurden bearbeitet. In der bodenmechanischen Forschung widmete sich das IGBE vor allem dem Stoffverhalten weicher bindiger Küstenböden. Seit 1970 werden die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse in eigenen Mitteilungsheften des Instituts dokumentiert; zuvor waren die Fachbeiträge in den Mitteilungsheften des Franzius-Instituts veröffentlicht worden.

Prof. H. Müller-Kirchenbauer- Spezialtiefbau, Messtechnik und Internationalisierung

1982 wurde Professor Hanno Müller-Kirchenbauer (*1934-2004) von seinem Lehrstuhl an der TU Berlin nach Hannover berufen, dessen Forschungsschwerpunkte auf dem Gebiet des Spezialtiefbaus lagen. Für großmaßstäbliche Versuche zu den Themenkreisen Injektionstechnik, Schlitzwandtechnologien und Untergrundhydraulik wurde dem IGBE eine Halle in einem unter Denkmalschutz stehenden Pferdestallgebäude eines ehemaligen welfischen Reiterregiments zur Verfügung gestellt und entsprechend ausgebaut.

Neben Professor Müller-Kirchenbauer wirkten die Professoren Victor Rizkallah (*1933) und Werner Blümel (*1944) am IGBE und lagerten weitere Forschungsgebiete und Aktivitäten an. Professor Rizkallah befasste sich in der Forschung schwerpunktmäßig mit erdverlegten Fernwärmeleitungen, der Bauschadenforschung und dem Tragverhalten von Spezialpfählen und war von 1984-1986 Vizepräsident der Universität. Weiterhin initiierte und leitete er ab 1986 einen internationalen Master-Studiengang für Studierende aus Schwellenländern. Die Forschungsgebiete von Professor Blümel waren insbesondere der Deponiebau mit Geokunststoffen und die baubegleitenden geotechnischen Messtechnologien.

Prof. M. Achmus - IGtH

In der Nachfolge von Müller-Kirchenbauer wurde 2001 Professor Martin Achmus (*1965) von der Universität Essen an das IGBE berufen. Er erweiterte die Forschung des IGtH um die Themenfelder der Gründungen im Offshorebereich, zyklische Beanspruchung von Erdstoffen, Baugrunddynamik sowie numerische Modellierungsmethoden in der Geotechnik.

Im Jahre 2010 wurde das Institut für Unterirdisches Bauen als Abteilung in das IGBE eingegliedert, dessen Forschungsschwerpunkte auf dem Gebiet der Mechanik von Salzgestein und dem Kavernenbau liegen. Das Institut heißt nunmehr Institut für Geotechnik an der Leibniz Universität Hannover (LUH) mit dem Signum IGtH.

Bl/tW                                                                                                                                                          Stand: 07.12.2016